Banshee – Lady Ann Fanshawe befand sich im 17. Jahrhundert in Irland zu Besuch auf dem Anwesen ihrer alten Freundin Lady Honora O´Brien, als sie eines Nachts von einer unheimlichen und wehklagenden weiblichen Stimme geweckt wurde. Verschreckt blickte sie um sich um die Ursache für diese Stimme ausfindig zu machen, konnte aber in ihrem Schlafgemach niemanden entdecken. Erst als sie ihren Blick zum Fenster und in die Dunkelheit der Nacht wandte, erblickte sie die Verursacherin dieser unheimlichen Stimme. Direkt vor der Scheibe des Fensters schien eine Frau zu schweben. Der Körper dieser Frau verschwamm im Nebel, doch das schöne Gesicht war deutlich im Mondlicht zu erkennen – blaß, grünäugig und eingerahmt von langen, rotgoldenen Haaren. Die Erscheinung stöhnte dreimal laut auf, seufzte danach tief und löste sich vor den Augen von Lady Ann Fanshawe auf.

Am folgenden Morgen erzählte sie diese Begegnung ihrer Freundin Lady Honora O´Brien, doch diese war zu ihrem erstaunen nicht sonderlich überrascht oder erschreckt. Lady Honora erzählte ihr daraufhin, daß vor Jahrhunderten eine bildschöne junge Frau vom damaligen Burgherrn verführt und ermordet wurde. Die Leiche der jungen Frau wurde vor jenem Raum im Boden verscharrt, in welchem Lady Ann Fanshawe nun übernachtete. Seit dieser Tat wurde diese junge Frau zur Todesfee der Familie O´Brien und erscheint immer dann, wenn ein Mitglied der Familie den Tod findet. Lady Honora war keineswegs über das erscheinen dieser Banshee überrascht. Etwa zu jenem Zeitpunkt an welchem Lady Ann die Banshee wahrnahm verstarb eine Kusine der Gastgeberin auf dem Anwesen der O´Briens.

Dieser Fall beschreibt nur einen von hunderten ähnlicher Fälle, in welchen eine Banshee erscheint, um von einem bevorstehenden Unglück zu künden. Besonders in Irland, aber auch in England und Schottland, wird der Begriff Banshee oder auch Todesfee mit alten und großen Familien in Verbindung gebracht, da diese vorallem dort auftreten. Mit der Auswanderungswelle erschienen diese Unglücksbotinnen jedoch auch gelegentlich in Amerika bei Abkömmlingen alter irischer Familien. Eine Banshee erscheint immer dann, um vom Tod eines Familienmitgliedes oder gar des eigenen Todes mit wehklagenden Rufen, manchmal auch mit teuflischem Gelächter, zu künden.

Banshee?

Der Begriff „Banshee“ leitet sich aus dem Gälischen ab, wo sie „bansidhe“ (Feenfrau) genannt wird. Offensichtlich handelt es sich bei den Banshees um die Geister weiblicher Personen, welche in irgendeiner Form in direkter Verbindung mit den betroffenen Familien standen. Banshees sind weder den gewöhnlichen Spukphänomenen noch den persönlichen Spukphänomenen zuzuordnen, sondern scheinen eine Mischung aus beiden Gruppen darzustellen. Ein normaler Spuk ist ein ortsgebundenes Phänomen welches über sehr lange Zeiträume auftritt, während ein persönlicher Spuk (z.B. Neck- und Poltergeister) zwar auf bestimmte Personen fixiert ist, jedoch meist nur sehr kurzzeitig auftritt.

Gegen Ende der sechziger Jahre, stellte die irische Parapsychologin Sheila St. Claire eine Rundfunksendung mit Zuhörer-Beiträgen über die Banshee zusammen und die Ergebnisse waren (auch nach Abzug irischer Übertreibungskunst) sehr erdrückend und überzeugend. Der Bericht (einer von vielen) eines Bäckers aus Kerry : „Es war noch in der Nacht… das Heulen fing leise an, dann steigerte es sich zu einem Crescendo (Begriff aus der Musik: laut anschwellender Ton). Die Stimme hatte zweifellos etwas Menschliches. Die Tür der Bäckerei, in der ich arbeitete, stand offen und die Männer standen still, um zu hören. Man konnte ein oder zwei gälische Worte, deren Bedeutung ich aber nicht kannte, heraushören. Dann ließ es langsam nach. Als schließlich gegen 5 Uhr der Morgen dämmerte, kam einer der Brotausträger herein und berichtete, das er gerade erfahren habe, das seine Tante in der Nacht gestorben war und mein Karren benötigt wurde. Genau an diesem Karren hatte die Banshee ihre Totenklage gehalten!“

In der gleichen Sendung versuchte ein älterer Mann den Totenschrei genauer zu beschreiben: „Es war ein klagender Laut, er erinnerte an Katzen auf einer Mauer, aber es waren keine Katzen, das weiß ich. Ich dachte es sei ein gequälter Vogel oder Ähnliches… ein unheimlicher Klagelaut war es und er schwächte sich immer mehr ab, bis er ganz weg war.“

Das Aussehen einer Banshee scheint immer an die betreffenden Banshees gebunden zu sein. In manchen Fällen scheint eine Banshee auch nicht körperlich zu erscheinen, sondern sich nur durch Klagerufe und Schreie zu äußern. In vielen Fällen wird eine Banshee als alte Frau beschreiben, welche mit blutunterlaufenen und verweinten Augen gesichtet wurde. Erscheinungen wie die Banshee sind jedoch nicht nur auf den irisch-schottischen Kreis beschränkt, sondern ähnlich gelagerte Fälle existieren auf der ganzen Welt, jedoch unter anderem Namen bekannt, da der Begriff Banshee auf dem irisch- gälischen Sprachschatz und den alten Legenden Irlands basiert.