Poltergeister richten oft erheblichen Sachschaden an und bedrohen sogar Menschenleben. handelt es sich dabei um Geister oder Projektionen des menschlichen Unterbewusstseins ?

Poltergeister machen sich gerne durch penetrante Geräusche, ekelhafte Gerüche, heftiges Türenschlagen und Möbel, die sich wie selbst bewegen, bemerkbar. Durch ihre geisterhaften Aktionen haben sie bereits viele Menschen auf der ganzen Welt, die sich diese Symptome überhaupt nicht erklären konnten in größte Panik versetzt. So auch die britische Familie Griggs.
Als sich im August 1992 die Möbel erstmals von selbst umstellten, stand für die Griggs fest, dass in ihrem neuen Domizil etwas von Grund auf nicht stimmte. Erst vor zwei Monaten hatte die Familie freudestrahlend ihre neue Wohnung in Portsmouth, England, bezogen. Doch diese Freude war nur von kurzer Dauer und aufgrund der schockierenden Ereignisse wollten die Griggs am liebsten gleich wieder ausziehen. Alles deutete darauf hin, dass hier ein Poltergeist sein Unwesen trieb. Das Zentrum der gruseligen Spukphänomene schien sich auf einen Raum im Erdgeschoss des vierstöckigen Hauses zu konzentrieren, in den sich schon bald niemand mehr hineintraute. Schließlich beorderte die verzweifelte Mrs. Griggs einen Pfarrer und einen Hellseher in ihr Haus. Diese wussten auch tatsächlich Rat:
Sie ließen die entsetzte Frau wissen, dass ihr Töchterchen Jasmin diese Erscheinungen auslöste, da sie von dem unsteten Geist eines früheren Bewohners besessen war.

SELTSAME REAKTIONEN

Tatsächlich hatte Jasmin urplötzlich mit fremdartigen Stimmen und Akzenten und auf eine für ihr Alter viel zu erwachsene Art zu sprechen begonnen. Schließlich antwortete sie ihrer entnervten Mutter nur noch in einem nordenglischen Dialekt. Als die Diagnose der Besessenheit erst einmal gestellt war, wurden noch zwei weitere Sensitive hinzugezogen, denen es gelang, die unsichtbare Wesenheit als einen Mann namens >>Percy
Manifestationen dieser Art sind nicht neu. Bereits um 900 v. Chr. wurde über einen solchen Fall in China berichtet. Im Gegensatz zu normalen Geistern sind Poltergeister, deren Namen sich davon ableiten, dass sie laute Geräusche verursachen, eher an eine Person als an einen Ort gebunden. Wo immer sich diese Person aufhält, auf die der Poltergeist fixiert ist, treibt er sein Unwesen. Häufig handelt es sich bei den Heim gesuchten um Mädchen, die sich kurz vor oder mitten in der Pubertät befinden. Es scheint, als wären sie besonders empfänglich für Überschattungen durch Poltergeister.

Dem renommierten Parapsychologen Andrew Green ist die Verbindung zwischen Poltergeist und heranwachsenden Mädchen nichts Neues. Er hat zahlreiche unterschiedliche Fälle untersucht und ist zu der Ansicht gelangt, dass Poltergeistaktivitäten im Grunde psychokinetischen Ursprungs sind. Psychokinese ist die Fähigkeit allein mittels Gedankenkraft das Verhalten von Gegenständen zu beeinflussen und auch Geräusche zu erzeugen. Dazu sind Personen beiderlei Geschlechts unbewusst im Stande, in der Regel nach einem traumatischen Erlebnis, das zu einer Verstörungführte.

Die kleine Jasmin Griggs war erst 18 Monate alt, als sie das Zentrum paranormaler Aktivitäten wurde. Poltergeister beziehen ihre Energie sehr häufig von Kindern.
Ein Fall, den Green untersucht hat, scheint diese These zu bestätigen. Ein vierjähriger Junge hatte plötzlich ein sehr befremdliches Verhalten an den Tag gelegt und seine besorgten Eltern vermuteten, dass ein übernatürliches Wesen von ihm Besitz ergriffen hatte. Überall im Haus waren Knistergeräusche zu hören, Gegenstände schienen sich wie von selbst zu bewegen und häufig setzten elektrische Geräte aus. Diese Erscheinungen traten immer nur in Gegenwart des Kindes auf, sie mussten also mit ihm zusammenhängen.

GEISTERMÖNCH

Tom Johnson, der Vater des Jungen, hatte kurz zuvor seine Arbeit verloren und seine Frau Julie bereits einen >>gespenstischen Mönch>hinuntergleiten>Percyunsichtbaren Hund — vielleicht das Tier eines früheren Hausbewohners, der während der Vorfälle in Portsmouth von dem Mädchen Besitz ergriffen hatte. Auch die in Portsmouth erscheinende Zeitung Evening News berichtete über die Aktivitäten des Poltergeistes namens >>PercyPoltergeister ZEUGE Maurice Grosse

Während der Untersuchung der Poltergeistphänomene erlebte Maurice Grosse zahlreiche Manifestationen, die mit spontaner Psychokinese in Verbindung standen. >> Ich sah Murmeln quer durchs Zimmer fliegen und auf dem Teppich landen, wo sie ganz abrupt zum Stillstand kamen. Es wirkte so, als hätte sie jemand einfach dorthin gelegt. Wenn man sie anfasste, fühlten sie sich warm an.

Einmal stellte sich ein ganzes Sofa vor unseren Augen einfach auf den Kopf, auf dem Küchenboden befand sich plötzlich eine Wasserpfütze in Form eines Zwerges. Mitten auf dem Flur standen Blumentöpfe aneinander gereiht und an den Wänden erschienen schriftliche Botschaften. Außerdem fielen mir in dem Haus starke Brandgerüche und Stellen auf, an denen eine ungewöhnliche Kälte herrschte, was sich durch nichts erklären ließ. Manchmal verursachten allerdings auch Kinder aus reinem Spiel- und Nachahmungstrieb >paranormale PhänomenePSYCHISCHE URSACHEN

Alle Begleitumstände — die seltsamen Geräusche, die Objekte, die sich von selbst bewegten, die ganze Familie unter starkem Stress — bestätigten Green darin, dass es hier nicht um Geister ging. Offensichtlich handelte es sich um eine wiederkehrende spontane Psychokinese. Diese wird in der Regel durch eine psychisch gestörte Person innerhalb einer Familie ausgelöst. Als Andrew Green die Johnsons schließlich persönlich kennen lernte, war ihm schon bald klar, dass die unangenehmen Belästigungen von dem kleinen Sohn der Familie verursacht wurden.

Greens Ansicht nach könnten die Spukerscheinungen dadurch ausgelöst worden sein, dass sich das Kind vernachlässigt und ungeliebt fühlte. Die Eltern gaben zu, dass sie seit einiger Zeit unter starker psychischer Belastung standen. Auf Greens Rat hin bemühten sich die Johnsons wieder ein normales Familienleben zu führen. Kurz darauf verschwanden die Poltergeistphänomene — und mit ihnen auch der ominöse Mönch. Für Green war dieser Fall das Paradebeispiel dafür, wie leicht geistig-seelische Konflikte im Äußeren auf übernatürliche Erscheinungen projiziert werden können. Dieser Ansicht ist auch der amerikanische Parapsychologe William G. Roll. Er hatte herausgefunden, dass es sich >>in 92 auf Personen bezogenen Poltergeistfällen bei vier der angeblichen Urheber — also der betroffenen Personen — medizinisch nachweislich um Epileptiker handelteAndrew Green, Geisterjäger

Peggy Hodgeson duckt sich geschickt um einem Spielzeugwürfel auszuweichen, den eine unbekannte Kraft durchs Zimmer schleudert. Dies war nur einer von hunderten ähnlicher Vorfälle in diesem Haus in Enfield.

DIE KRAFT DES GEISTES

Bei seinen eigenen Forschungen stieß Green auf eine mögliche Beziehung zur Schizophrenie. Einer der ersten im Jahre 1956 von ihm untersuchten Fälle betraf die 15-jährige Shirley Hitching aus Battersea, einem Ort südlich von London. Das Mädchen vermochte auf Verlangen jederzeit laute Klopfgeräusche hervorzurufen. Green und den beiden ihn begleitenden Reportern versicherte sie, dass die Geräusche von ihrem >>Polti Donald>Wenige Tage, nachdem ich Shirley kennen gelernt hatte, erhielt ich einen vierseitigen Brief und eine Weihnachtskarte von >Polti>Ich fragte Shirley, wie es einem unsichtbaren Wesen überhaupt möglich sei einen Brief zu schreiben, eine Briefmarke zu kaufen und den Umschlag in den Briefkasten zu werfen. Verdutzt antwortete sie, dass sie zuerst Donald fragen müsse. Doch der schien gerade nicht anwesend zu sein. Später wurde mir von insgesamt drei erfahrenen Psychologen bestätigt, dass Donalds Brief eindeutig aus der Feder einer schizophrenen oder zumindest geistig stark verwirrten Person stammte.Achtung Poltergeister !

Poltergeister unterscheiden sich von >>normalenAugenzeugen

Über einen der berühmtesten Poltergeistfälle berichtete Guy Lyon Playfair in seinem Buch This House is Haunted (In diesem Haus spukt es). Es handelte sich um ein Haus in Enfield, indem er mit Maurice Grosse Nachforschungen angestellt hatte. Ende August 1977 wurde die Wohnung von Peggy Hodgeson von Poltergeistphänomenen heimgesucht, d­eren Zentrum die elfjährige Janet war. Mehrere Haushaltsgegenstände wurden schwer beschädigt und schwere Möbel flogen durch die Zimmer. An den Wänden erschienen Botschaften und Wasser materialisierte sich aus dem Nichts. Für diese Phänomene gab es unzählige Augenzeugen, darunter Polizisten, Wissenschaftler und Parapsychologen.
Nach 14 Monaten hörten die Erscheinungen ebenso plötzlich auf, wie sie begonnen hatten. Die Forscher sind sich bis heute nicht darüber einig, ob das Haus nun von einem echten Poltergeist heimgesucht worden war oder ob hier ein Fall von wiederkehrender spontaner Psychokinese vorlag, die durch Janet Hodgeson ausgelöst worden war, die gerade eine schwierige Lebensphase durchlief. Nach Playfairs Theorie ist die Zirbeldrüse (Epiphyse) die Quelle der Poltergeistenergie. Diese Drüse liegt oberhalb des Mittelhirns und steuert die Sexualhormone. Während der Pubertät schüttet diese Drüse Hormone aus, die schöpferische Energie erzeugen. Wenn ein Heranwachsender plötzlich über diese Kräfte verfügt, müssen sie ein Ventil finden. Gelingt es nicht sie in konstruktive Bahnen zu leiten, steht diese Energie in der Astralwelt umherstreifenden Wesen zur Verfügung, die sie für ihre eigenen, fragwürdigen Zwecke missbrauchen können. Playfair liefert dafür ein anschauliches Bild: >>Stellen Sie sich vor, da kämen zwei oder drei Geistwesen oder Elementargeister daher und sehen einen Fußball herumliegen. Sie tun genau das gleiche, was übermütige Schuljungen auch tun würden: Sie kicken den Ball herum, zerschmettern dabei ein paar Fensterscheiben und richten alle möglichen Verwüstungen an.Telefonspuk in Rosenheim

Wer von Poltergeistphänomenen belästigt wird, ist oft selbst der Auslöser dafür. Hier ein Beispiel: Die Ursache des Spuks von Rosenheim der sich 1967/68 in einer Anwaltskanzlei in dem bayerischen Ort ereignete, war die 18-jährige Angestellte Annemarie Schaberl. Bevor die Manifestationen zum ersten Mal eintraten, war sie als Schreibkraft für den Anwalt Sigmund Adam tätig gewesen. Unter anderem brachte sie elektrische Lampen zum Schwingen und Explodieren, wobei die Glühbirnensplitter rätselhafterweise immer direkt auf sie zuflogen.
Am ärgerlichsten war jedoch das falsch funktionierende Telefon, dessen Zähler eine astronomisch hohe Anzahl von Gesprächen registrierte, die nie stattgefunden hatten. Ein 175 kg schwerer Büroschrank neben Annemaries Arbeitsplatz rückte zweimal spontan von der Wand weg. Als sie die Kanzlei verließ hörten auch die Phänomene auf.

VERTRIEBENE GEISTER

Viele Paraforscher teilen Playfields Auffassung, dass es sich bei Polter­geistmanifestationen um zerstöreri­sche Aktivitäten intelligenter Wesen handelt. Andrew Green dagegen ist der Meinung, dass jede Poltergeister­scheinung einzig und allein dem Unterbewusstsein eines Menschen entspringt und die schöpferischen und dramatisierenden Kräfte wider­spiegelt, in denen sich unterdrückte Triebspannungen oder emotionale Konflikte entladen.
1972 wurde in Toronto, Kanada, eine Reihe faszinierender Experi­mente durchgeführt. Sie sollten beweisen, dass Fälle wiederkehrender spontaner Psychokinese (RSPK) stets auf Menschen zurückzuführen sind. Acht Mitglieder der Canadian Society for Psychical Research (Kanadische Gesellschaft für parapsychologische Forschung) erschufen allein durch ihre Gedankenkraft ein rein fiktives Wesen aus dem 17. Jahrhundert, das sie >>Philip>umherstreifende WesenUNERGIEBIGE TESTS

Auch andere wissenschaftliche Versuche den Ursachen von RSPK auf den Grund zu gehen sind bislang gescheitert. Die Tests mit Janet Hodgeson, die Poltergeistaktivitäten hervorrief und Matthew Manning, der Anfang der 70er-Jahre als begnadeter Hellseher gefeiert wurde und heute als angesehener Heiler arbeitet, bestätigten zwar, dass beide in hohem Maße zu außersinnlichen Wahrnehmungen fähig waren — sie erklärten aber nicht, warum. Trotz dieser Kontroversen zwischen Sensitiven, Skeptikern, Wissenschaftlern und Parapsychologen gibt es dennoch Organisationen, für die übernatürliche Aktivitäten offensichtlich real existieren.
Bereits 1944 zahlte die Versiche­rungsgesellschaft Commercial Union Assurance einem Versicherten 400 Pfund Sterling als Entschädigung für Schäden an Möbeln und Wohnungsgegenständen in einem schottischen Mietshaus. Vor der Auszahlung der geforderten Entschädigungssumme hatten zwei Sachverständige 14 Tage lang die Poltergeistmanifestationen untersucht und waren zu dem Schluss gekommen, dass die paranormalen Erscheinungen durchaus ernst zu nehmen waren. Für Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft in der Tat ein verblüffendes Bekenntnis.

ELEMENTARGEISTER

Colin Wilson, Fachautor auf dem Gebiet des Okkultismus, ist der Ansicht, dass es sich bei Poltergeistern möglicherweise um eine Art von Elementargeistern handelt, die sich aus dem Energiefeld der Menschen nähren. Er sieht hier Parallelen zu den tibetanischen Tulpas, mental erzeugten Wesen, die eine sichtbare Gestalt annehmen. Auch bei »Philip«, dem von der Canadian Society for Psychical Research manifestierten Wesen, handele es sich um eine Art Tulpa. Wilson glaubt, dass sich diese geheimnisvollen Kräfte nur bei Menschen manifestieren, die dafür gewissermassen einen geeigneten Nährboden bieten.
Der Forscher Max Freedom Long hält dem jedoch entgegen, dass es sich bei einem Poltergeist in jedem Fall um einen Geist handelt, um ein »niederes, entkörpertes Seelenwe­sen«, das keine Erinnerungen mehr an sein irdisches Leben hat.

SUCHE NACH BEWEISEN

Die zahlreichen seriösen Ermittlungen in Sachen Poltergeister lassen an deren Existenz inzwischen keine Zweifel mehr aufkommen. Doch nach wie vor fehlen handfeste wissenschaftliche Beweise für dieses rätselhafte Phänomen. Erst dann könnte man mit Sicherheit sagen, ob es sich bei Poltergeistern um die ruhelos umherschweifenden Geister von Verstorbenen handelt, die sich auf diese Weise immer wieder manifestieren — oder ob das menschliche Unterbewusstsein selbst diese paranormalen Erscheinungen erzeugt.